Wirken und Schaffen


Dr. Ferdinand Goetz (1826-1915)
Politisches und bürgerschaftliches Wirken
  • Mitglied des Lindenauer Gemeinderates
  • Gemeinsam mit seinem Freund, dem Industriellen Carl Erdmann Heine, initiiert er die Gründung verschiedener Bürger- und Sozialvereine, darunter eines Bürgervereins zur Besprechung öffentlicher Angelegenheiten, eines Frauenvereins, einer Kinderbewahranstalt sowie 1865 des Lindenau-Plagwitzer Gewerbevereins.
  • Bei den Wahlen zum Reichstag 1867, 1887 und 1890 wird Ferdinand Goetz in seinem Wahlkreis XIII Leipzig-Land dreimal mit großer Stimmenzahl als Abgeordneter gewählt.
  • 1896 hält Goetz die Rede zur Einweihung des Karl-Heine Denkmals in Leipzig.

Leistungen zur Förderung der deutschen Turnbewegung

 

1858 Übernahme der Redaktion der "Deutschen Turnzeitung" (bis 1864). Unter diesem Titel erscheint noch heute das Organ des nunmehrigen Deutschen Turnerbundes, der 2002 in Leipzig das Deutsche Turnfest veranstaltet.

1860
Goetz gründet mit Freunden den Männerturnverein zu Leipzig-Lindenau, dem er bis zu seinem Tode verbunden bleibt, davon viele Jahre als Vorsitzender.
Mit Hilfe seines Freundes, des Industriellen Carl Erdmann Heine, errichtet dieser Verein 1861 die erste Turnhalle einer Landgemeinde in Deutschland.
Im gleichen Jahr übernimmt Goetz die Geschäftsführung des Ausschusses der deutschen Turnvereine, später der 1868 daraus hervorgegangenen Deutschen Turnerschaft (DT), und übt dieses Amt bis 1895 aus. Die folgenden 20 Jahre bis zu seinem Tod ist er Vorsitzender der DT.
 
1863 Beim 3. allgemeinen deutschen Turnfest in Leipzig hält Goetz die Festrede. Auf Antrag von Goetz wird nach Ideen von Justus Carl Lion (Direktor des städtischen Schulturnens in Leipzig) die Jahn-Stiftung – eine Pensionskasse für Turnlehrer sowie deren Witwen und Waisen – vom deutschen Turntag in Leipzig beschlossen.

1867 Goetz richtet in seinem Wohnhaus das Archiv der Deutschen Turnerschaft ein, später Bibliothek der DT. Die ständige Erweiterung sowie das erste Verzeichnis betreibt er selbst. 1922 gelangen die Bestände nach Berlin zum neuen DT-Sitz und nach dem Krieg durch Carl Diem nach Köln, wo sich der größte Teil dieses äußerst wertvollen Bestandes heute in der Bibliothek der Deutschen Sporthochschule befindet.

1886 Gründung der Stiftung zur Errichtung deutscher Turnstätten (1906 auf Turntagsbeschluß den Beinamen des Gründers Ferdinand Goetz erhalten). Zweck war die Unterstützung bedürftiger DT-Vereine bei der Einrichtung von Turnplätzen und dem Bau sowie der Einrichtung vereinseigener Turnhallen.

1895 Goetz initiiert die Schaffung der Jahn-Erinnerungsstätten in Freyburg/Unstrut. Dazu gehören die Ehrenhalle, in der das Jahnmuseum eingerichtet wird, sowie die Jahn-Ehrenturnhalle. Die Stadt Freyburg verleiht Goetz noch zu Lebzeiten die Ehrenbürgerschaft.

1896 Goetz spricht sich gegen die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen in Athen aus und setzt in der DT und im Zentralausschuss für Volks- und Jugendspiele einen entsprechenden Beschluss durch.

1913
Beim 12. Deutschen Turnfest in Leipzig hält der 88-jährige Goetz erneut die Festrede, wie er das 1863 beim 3. allgemeinen deutschen Turnfest in Leipzig erstmals getan hat.
Die Maxime, mit der Goetz die Turnerschaft geleitet hat, kommt besonders in seinen letzten Worten an seinen Nachfolger Rühl und an die Turner zum Ausdruck:

"...Leite die Turnerschaft im alten Geiste, unabhängig von oben und von unten! Ihr werdet einen schweren Kampf haben, anders wirds nicht. ...Aber das ist die Hauptsache: Nur nicht loyal werden und nur nicht abhängig! Frisch und frei bleiben von allen andern! Im übrigen wirds ja gut gehen. ...".

Unter diesem Aspekt sind seine Attacken gegen die Ende des 19. Jahrhunderts entstehende organisierte und sozialdemokratisch orientierte Arbeiter-Turnbewegung sowie gegen den modernen Sport zu sehen und zu werten.

Goetz war stets treu deutsch – sein bis heute überlieferter und oft Jahn zugeordneter Leitspruch war "Herz und Hand dem Vaterland" – , aber er war nicht unterwürfig vor höherer Macht und Staatsgewalt. Wie auch Jahn blieb er sich selbst treu und wirkte in diesem Verständnis für die deutsche Turnbewegung, die er von allen politischen und Fremdeinflüssen fernhalten wollte.
 


aktualisiert am: 15.02.07